Küchenklatsch // Hochzeitstorte - meine erste, nach vielen "Hundetorten"

Vor kurzem durfte ich die erste Menschentorte seit langem machen. Menschentorte? Na ja, eine Torte für Menschen... lasst mich das kurz erklären: 



Hochzeitstorten sind wohl eine der Königsdiziplinen der Konditoren. Hier kann der Meister sein ganzes Können zur Schau stellen, angefangen bei einem zarten Boden bis hin zur cremigen Füllung. In meiner Lehrzeit habe ich an vielen Hochzeitstorten mitgewirkt. Blumen aus Massa Ticino geformt, Schriftzüge geschrieben, Torten mit Farbe oder Kakaobutter angesprüht, Dekorelemente angebracht und am Ende sogar die ein oder andere Torte ausgeliefert. 

Seit dem Ende meiner Lehrzeit habe ich in Sternehotels gearbeitet. Dort sind Motivtorten auch hin und wieder gefragt, aber werden bei weitem nicht so häufig bestellt wie in der Konditorei. Und weil man im Luxushotel mit gehobeneren Ansprüchen der Gäste zu tun hat, erlebt man häufig auch skurrilere Dinge als in der Konditorei. Deshalb wurden meine Torten meist nicht zum Verzehr von Menschen bestellt. Sondern als Geburtstags- oder Todestagstorten royaler Köter. Hundetorten de luxe. 
Jahrelang habe ich mit Buttercreme und Biskuit experimentiert und die Werke am Ende mit Hundeknochen oder Leberwurst "verschönert", um die Haustiere eines königlichen Hotelgastes glücklich zu machen. 



Jetzt also meine erste Hochzeitstorte nach über vier Jahren - und die erste, die ich nicht als Azubi, sondern als Meisterin und absolut eigenverantwortlich zu machen hatte. Privat, für gute Freunde, ohne direkte Vorgaben. Wir einigten uns auf Schwarzwälder Kirsch, Himbeersahne und Schokosahne - der Rest war mir überlassen. 

Weil die Hochzeit im Allgäu stattfand, fuhr ich also erstmal zu einer guten Freundin und Ex-Kollegin nach Freising, die mir ihre Küche und ihr Equipment zur Verfügung stellte und tobte mich dort einen ganzen Tag lang aus. Eigentlich mehr als das. Donnerstagabends wurden die ganzen Böden gebacken und die Füllungen vorbereitet, Kirschen abgebunden und Vanillecreme gekocht. Am Freitagmorgen ging es dann ans Einsetzen der Torten, eine Aufgabe, die mich bis zur Mittagszeit in Anspruch nahm. Dann kam der Dekor an die Reihe, der zugegebenermaßen recht spontan entstand. Ich hatte mir vor ein paar Jahren mal eine Schokoladenform in Herzform gekauft und beschlossen, dass die zum Einsatz kommen sollte.



Der Raum, in dem die Feierlichkeiten der Hochzeit stattfinden sollte, war dezent blau dekoriert, dementsprechend sollten sich diese Farben in der Torte wiederfinden. Also marmorierte ich das Herz mit blauer Kakaobutter und goss es dann mit weißer Schokolade aus. Schon war der Aufsatz für die Torte fertig. Mit der restlichen Kakaobutter färbte ich Schokolade ein, um das Schild zu schreiben. Dann ging es an das Einstreichen der Torten mit Buttercreme - eine ganz schöne Herausforderung, wenn man plötzlich mit einer Torte von über 30cm Durchmesser zu kämpfen hat, nachdem jahrelang 22cm das Höchste der Gefühle gewesen war. :) Am Ende das Eindecken... und dann das Schönste: das Dekorieren. Viele blaue und weiße Herzen, das Spruchband und am Ende das Schokoherz, das ich jedoch erst vor Ort auflegen wollte. Schließlich hatte die Torte noch eine gut zweistündige Fahrt ins Allgäu vor sich... 



Bis uns einfiel, dass das Auto, mit dem die Schwester der Braut mich und die Torte am nächsten Morgen abholen würde, eventuell zu klein für alle drei Tortenkartons sein könnte... Drei Konditorinnen waren sich einig, dass der Kofferraum eines Polos für eine 1x1m große Kühlbox nicht groß genug war. Das bereitete mir Kopfzerbrechen und eine leicht schlaflose Nacht, doch die Erleichterung war umso größer, als sich herausstellte, dass der Polo gar kein Polo, sondern ein Golf war - genug Platz für alle Torten. 

Gut im Zeitplan und mit den Torten im Gepäck fuhren wir los. Gutgelaunt und voller Vorfreude auf die Hochzeit. Ab auf die Autobahn Richtung Lindau. Bis ich auf Höhe von Herrsching zum ersten Mal auf mein Handy schaute und merkte, dass meine Freundin versucht hatte, mich zu erreichen. Mehrmals. Und dann eine WhatsApp geschrieben hatte: "Habt den Dekor vergessen, wir fahren euch hinterher." 
Am Ammersee fanden wir einen Parkplatz und warteten. Die Boxen mit den Herzen - und vor allem dem Schokoherz - hatten wir in der Eile in der Küche stehen lassen und über der Begeisterung, dass alle Torten ins Auto passten, völlig vergessen. 

Letzten Endes warf uns die Dekor-Übergabe auf dem Autobahn-Parkplatz nur um eine Viertelstunde im Zeitplan zurück. Die Torte kam zu früh und vollständig in der Location an und wir hatten sogar noch genug Zeit, um ganz entspannt Kaffeetrinken zu gehen, ehe wir uns für die Zeremonie schick machten. 



Und dann war alles viel zu schnell vorbei und von der schönen Torte war nur noch ein Wrack übrig. Aber so ist das in meinem Beruf: tagelange Arbeit wird in der Regel innerhalb von 20 Minuten zunichte gemacht... aber das ist auch gut so!

♥︎sabrina



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