Rezept // Marmorkuchen

Von einer Konditorin, die ich sehr bewundere, habe ich gelernt, dass es in der Patisserie nicht darauf ankommt, wahnsinnig aufwendige Desserts mit viel Chichi zu kreieren, sondern dass man oft die besten Ergebnisse erzielt, wenn es einem gelingt, aus etwas Einfachem etwas ganz Besonderes zu machen. 

Daran muss ich während der Arbeit oft denken. Denn irgendwann ist man aufgrund seines Fachwissens und seiner Berufserfahrung an dem Punkt, an dem man hinter die Schäumchen und Tröpfchen, die Mousse-Wolken und die Krokantsplitter schauen und ernsthaft einschätzen kann, was wirklich hinter alledem steckt. 



Und oft erkennt man dann: nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Hinter jedem kulinarischen Kunstwerk steckt am Ende häufig nur ein richtig guter Trick - oder ein teueres Pülverchen, das die Industrie allein zu diesem Zweck geschaffen hat. Ein Stabilisator vielleicht oder ein Emulgator... - in jedem Fall ein industriell hergestelltes Zwischenprodukt, dessen Vorhandensein allein schon ausreicht, um mich zu enttäuschen. 

Ganz ohne geht es nicht - das ist mir auch klar. Ich bin dankbar dafür, dass der Puderzucker im "Süßen Schnee" von Stärkekörnchen und aufgesprühtem Fett als Rieselhilfe ummantelt ist und mir deshalb nicht auf dem frischen Gebäck davonschmilzt. Und Cremepulver zum Kochen von Vanillepudding macht das Leben hin und wieder auch um einiges leichter. Und eine Motivtorte ohne Massa Ticino wäre heutzutage wohl auch kaum vorzustellen... 

Aber ich habe trotz allem den Anspruch an mich selbst, auch ohne diese Industrieware auszukommen. Biskuit-Fix kommt bei mir nicht in die Tüte - ebensowenig wie alle anderen Backmischungen. 
Um Butter aufzuschlagen und Eier und Mehl einzurühren, habe ich schließlich meine geliebte KitchenAid. :) 

Und mal ehrlich - gibt es etwas Schöneres als eine perfekt homogene Sandmasse? Eine Rührkuchen-Masse, deren Zutaten sich perfekt miteinander verbunden haben? Ich glaube nicht. 

Für alle, die jetzt ins Schwelgen gekommen sind und ebenfalls ausprobieren möchten, wie einfach es geht, den perfekt-saftigen Rührkuchen herzustellen, hab ich hier ein tolles Rezept. 

Und das beste daran: man kann es jederzeit beliebig abwandeln, indem man z. B. Mehl teilweise durch geriebene Nüsse ersetzt, Schokochips zugibt oder die Masse mit Zitronenaroma verfeinert. 




Rührkuchen für alle Fälle  

300 g Butter, zimmerwarm 
300 g Zucker
1 Prise Salz 
6 Eier, Größe M 
300 g Mehl 
1 Päckchen Backpulver 

Butter, Zucker und Salz werden schaumig geschlagen. Dann wird ein Ei nach dem anderen zugegeben und gut eingerührt. Zuletzt das mit dem Backpulver gemischte Mehl auf drei Mal zugeben. Jedes Mal nach dem Zugeben kurz unterrühren. 

Die Masse in eine gefettete und mit Mehl ausgestaubte Marmorkuchen-Form geben und bei 180°C ca. 45 Minuten backen. Vor dem Herausnehmen aus dem Ofen am besten eine Stäbchenprobe machen - Holzspieß in der Mitte einstechen; wenn keine Masse mehr daran haften bleibt, ist der Kuchen fertig. Etwa eine Viertelstunde stehen lassen, dann aus der Form auf ein Gitter stürzen. 
Nach dem Erkalten wie gewünscht dekorieren (Puderzucker, Zuckerguss, Schokoladenüberzug, Buttercremetupfen, Streusel... der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt). 

Ich bereite diesen Kuchen fast immer als Marmorkuchen zu. Dazu nehme ich ein Drittel der Masse weg und stelle sie beiseite, während ich die im Kessel verbliebenen zwei Drittel mit 50 g Kakaopulver und 100 ml Milch zu einer Schokomasse mische. Dann fülle ich die Form abwechselnd mit der hellen und der dunklen Masse. 

Alternativ kann man natürlich auch die ganze Masse dunkel färben. Oder - wie beim klassischen Marmorkuchen - zwei Drittel der Masse hell lassen und nur ein Drittel dunkel färben. 
Im gleichen Verhältnis aber in kleinerer Menge kann dieses Rezept auch super als Boden für Kirsch- oder Zwetschgenkuchen hergenommen werden. Oder für Cupcakes als Basis. Oder mit Nüssen in der Rehrückenform. Oder... oder... oder... 
Die Sandmasse ist in der Konditorei einfach ein Klassiker, der vielerlei Einsatzmöglichkeiten hat. Und hier schließt sich der Kreis wieder: wenn man die Basics beherrscht, kann man die tollsten Dinge zaubern - auch ohne viel Chemie. 

♥︎sabrina 



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