Küchenklatsch // The Royal Eiweißspritzglasur

Irgendwo in den Tiefen des Internets habe ich einmal den schönen Spruch gelesen

"When you're in love with someone, tell them because love is something wonderful - but also shout it at them in German because love is also terrifying." 

Die deutsche Sprache hört sich für viele Nicht-Muttersprachler "terrifying" an: schrecklich, furchteinflößend manchmal sogar. Meine neuseeländischen Freunde haben mir das bestätigt und versucht, es mir zu beschreiben. Offenbar liegt es an den Abfolgen der Buchstaben, aus denen die Wörter unserer Sprache zusammengesetzt sind und die unseren Sätzen häufig einen für fremde Ohren harten, dunklen Klang verschaffen. 



Ein Beispiel, das mir in diesem Sinne immer wieder einfällt: Eiweißspritzglasur. 

Jetzt mal im Ernst. Ei-weiß-spritz-glasur. Ja, ich weiß schon, es macht durchaus Sinn, diese Mischung aus Eiweiß und Puderzucker, die die perfekte Konsistenz zum Schreiben und Verzieren hat, so zu nennen. Sie ist eine Glasur aus Eiweiß, die man dazu benutzt, Ornamente und Buchstaben zu spritzen. Oder aufzudressieren, wie der Fachmann sagt. Ich meine, Eiweiß-Puderzucker-Aufdressier-Glasur wäre ja noch schlimmer. Sehe ich alles ein. 

Aber andere Sprachen haben so viel elegantere Wörter für die Masse, die Kekse bunt und Torten festlich macht. 

Royal icing sagt man auf Englisch, zum Beispiel. Wie viel eleganter klingt das denn bitte? Ein royaler Überzug, sozusagen. Königliche Glasur. 

Das Gleiche auf französisch: glace royale. 
Italienisch: glassa reale. 
Spanisch: glaseado real. 



Scheinbar hat man sich auf der ganzen weiten Welt darauf geeinigt, die weiße Paste als königlich zu bezeichnen. Nur die pragmatischen, unterkühlten, aufs Wesentliche konzentrierten, unromantischen deutschen Tortenkünstler scheinen das Ding tatsächlich beim Namen nennen zu wollen: EIWEIßSPRITZGLASUR. 

Hach ja, die Eiweißspritzglasur. Egal, wie ihr sie nun nennen mögt, ich habe heute auch eine dieser königlichen Pasten angerührt. 

Ich habe mich heute nämlich zum ersten Mal seit langer langer Zeit wieder vor ein Blech Kekse gesetzt und herumgespielt. Cookie Decorating nennt sich dieser Zeitvertreib - ob es einen deutschen Namen dafür gibt, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. "Kekse dekorieren" würde wohl kaum jemand unter Hobbys in seinen Lebenslauf schreiben... 

Eiweißspritzglasur 

60 g Eiweiß (≙ dem Eiweiß von 2 frischen Eiern) 
450 g Puderzucker, gesiebt
Lebensmittelfarbe (Gel) in den gewünschten Farben 
Wasser nach Bedarf 

Als Faustregel für die Herstellung einer Eiweißspritzglasur gilt ein Verhältnis von 1:5 (Eiweiß:Puderzucker). Häufig werden außerdem ein paar Spritzer Zitronensaft zugegeben, weil die Säure der Denaturierung des Eiweißes und damit also dem Aufschlagen der Masse förderlich ist. 
Ich habe etwas mehr Puderzucker gewählt, um eine sehr feste Grundmasse zu erhalten. Durch die Zugabe von Lebensmittelfarbe und tröpfchenweise Wasser habe ich mich dann an die perfekte Konsistenz herangetastet. 



Die perfekte Konsistenz ist so eine Sache - ich würde sagen, es liegt im Gefühl. Man findet im Internet und auch in Büchern Tausende von Anleitungen zum Thema Cookie Decorating. Es ist von festen Umrandungen die Rede, von flood icing (also Eiweißspritzglasur, die so dünn ist, dass sie den Keks überflutet), davon, dass man die Sekunden zählen soll, wie lange es dauert, bis zwei nebeneinander gespritzte Linien ineinanderlaufen... Am Ende gilt aber trotzdem eines: Übung macht den Meister. Gleich beim ersten Keks ein perfekt garniertes Kunstwerk zu erwarten, wäre prätentiös.

Und noch etwas: unterschätzt die Zeit nicht, die man für solche Spielereien braucht. Ich bin, was das Backen betrifft, ja schon immer ein sehr ungeduldiger Mensch gewesen. Vielleicht erinnert ihr euch daran: als Kind bin ich schon an der Buttercreme gescheitert, weil ich nicht die Geduld hatte, zu warten bis die Butter schön schaumig ist. Beim Garnieren heute ist mir das wieder eingefallen. Die Geduld, die Kekse liegen zu lassen und stundenlang darauf zu warten, dass die erste Schicht angetrocknet ist und ich mit der zweiten Farbe weitermachen kann, konnte ich nur schwer aufbringen. 

Aber hey, vielleicht ist auch das nur Übungssache?  :)

♥︎sabrina




2 Kommentare :

  1. da denke ich sofort an den Schnee all der Pfefferkuchenhäuschen, die ich mit eigenen Kindern, Enkeln und auch meinen Schüler und -innen in der Berufsschule verzierte. Immer lecker durch die Zitrone...
    wie wäre es Schneeglasur...
    Grüße von Frauke

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    1. Schneeglasur! Das würde mir gefallen! Das wäre ein Wort nach meinem Geschmack! :)

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