Rezept // Red Velvet Cake {oder: Back to Bunt}

Wie bin ich hier eigentlich gelandet, an diesem Punkt in meinem Leben? In einer Stadt und in einem Beruf, in der und dem ich nie hatte enden wollen? 

Diese Frage stelle ich mir ziemlich oft zurzeit. 2016 ist wohl das Jahr der Umbrüche für mich. Ich bin aus der Balance geraten, ich tue mich schwer damit, einen Rhythmus in meinem Leben zu finden. Ich hinterfrage und komme zu dem Schluss, dass ich einen Jobwechsel - und vielleicht auch einen Ortswechsel - brauche. 



Buchstaben und Torten sind nach wie vor meine Leidenschaft und wenn man den gesamten Lauf meines Lebens so betrachtet, erscheint es auch irgendwie logisch, dass ich vom einen zum anderen gekommen und schließlich in München gelandet bin. Mein Herz schlägt gleichermaßen für Print und Patisserie. 

Aber vielleicht ist es einfach einmal wieder an der Zeit, mich auf meine Wurzeln zu besinnen. Auf das, was in mir erst den Wunsch geweckt hat, Konditorin zu werden und mein Faible fürs Backen zum Beruf zu machen. 

Damals, als ich von England zurückkam und der Arbeitsmarkt für seriöse Reporter (oder solche, die es werden wollten) in Deutschland ziemlich leergefegt war, inspirierte mich ein Blog dazu, bunte Törtchen zu backen. Was mich umtrieb, war die Frage: wie kann es sein, dass eine Bloggerin eine astreine Buttercreme auf die Reihe kriegt und ich nicht? 
Und genau betrachtet war das auch die Frage, die mich schließlich zur Ausbildung als Konditorin brachte: wie gelingt die perfekte Creme?! Damals dachte ich: "Hey, wenn die Ausbildung doch nicht das Richtige für dich ist, weißt du am Ende wenigstens, wie der Profi Buttercreme macht!" 



Ein bisschen etwas von dieser positiven Grundeinstellung scheint mir in letzter Zeit abhanden gekommen zu sein. Zu viele Enttäuschungen, zu viele Lügen in meinem (Arbeits-)Umfeld, zu viel Schön-Reden. Zu wenige bunte Törtchen in meinem Leben. 

Um dem ein Ende zu setzen und mich wieder ein bisschen auf meine eigene Fröhlichkeit zu besinnen, habe ich letzte Woche zu den bunten Zuckerstreuseln gegriffen und einfach mal wieder all das gemacht, was mit klassischer deutscher Konditorei einfach mal so gar nichts am Hut hat. Eine schwere Masse mit allerlei chemischen Lockerungsmitteln UND Lebensmittelfarbe. Ein Frischkäse-Topping. Marshmallows und Zuckerstreusel. Und einfach mal kein glatter Torteneinstrich, sondern eine recht... kreative... Handhabung des Palettmessers. Und wisst ihr was? Das hat mal echt gut getan. Und herausgekommen ist dabei ein ganz formidabler Red Velvet-Cake, den ich jederzeit wieder machen würde. 




Funfetti Red Velvet Cake 

Masse: 
75 g Butter 
150 g Mehl 
2 Eier
Mark von 1/2 Vanilleschote
1/4 TL Backpulver
1/4 TL Salz
180 g Zucker 
150 g Buttermilch 
1 TL weißer Balsamico-Essig 
knapp 1 TL Natron 
rote Lebensmittelfarbe nach Wunsch

Butter schaumig schlagen und Eier einzeln unterrühren. Dann Mehl, Vanillezucker, Backpulver, Salz, Zucker, Buttermilch und Lebensmittelfarbe zugeben und mindestens fünf Minuten weiterschlagen. 
Essig und Natron in einem separaten Gefäß verrühren und sofort zur Masse geben. Kurz unterrühren und die Masse gleich auf zwei oder drei Tortenringe (∅16cm) verteilen und bei 180°C Umluft ca. 35-40 Minuten backen. 

{Anmerkung: Eigentlich gehört Kakaopulver in die Masse - im Laden um die Ecke gab es keines und meine Vorräte waren erschöpft, deshalb habe ich den Kuchen einfach ohne gemacht. Traditionell bekommt er seine rötliche Färbung aber von der Wechselwirkung des Kakaopulvers mit dem Natron-Essig-Gemisch; wer sich also ans Original halten will, gibt mit dem Mehl noch ca. 15g Kakaopulver hinzu.}



Frischkäse-Topping: 

300 g Frischkäse
70 g Puderzucker
180 g Schlagsahne, flüssig 

Frischkäse und Puderzucker werden mit dem Schneebesen der Küchenmaschine oder des Handrührers gerührt, dann wird die flüssige Schlagsahne zugegeben und langsam die Geschwindigkeit erhöht. Die Masse wird so lange geschlagen, bis die Sahne steif wird und eine cremige Masse entsteht. Diese kann sofort weiterverarbeitet oder einen Tag im Kühlschrank aufbewahrt werden. 

Die abgekühlten Red Velvet-Böden mit der Creme zu einem Törtchen zusammensetzen, rundherum einstreichen, glatt oder so wild wie ihr wollt, und schlicht weiß lassen oder kunterbunt verzieren. Tobt euch aus! 

Ihr seht schon: ich brauch' wieder mehr davon. Mehr verrückte, kreative Kunst statt strikter "Professionelle-Konditoren-machen-das-aber-nicht"-Philosophie. 
Marshmallows statt Meringue. Lebensmittelfarbe statt Kakao. Bunte Eskalation statt perfider Perfektion. Ein bisschen Spaß muss schließlich auch sein! 

Viel Spaß beim Bunt-Backen! 

♥︎sabrina



3 Kommentare :

  1. Kuchen hilft gegen alles und in jeder Lebenslage. Ich bin froh, dass dir das Backen dieses wirklich sehr hübschen Red velvet Cakes wieder zu mehr Fröhlichkeit verholfen hat! Und ichbwar wirklich schon viiiel zu lange nicht mehr auf deinem Blog unterwegs - weil keine Zeit für nichts, dank Umzug, Jobbeginn und Einrichtungschaos. In den letzten Wochen war mir Ikea näher als so manche Freundin, ein Trauerspiel. Aber ab jetzt will ich wieder öfter bei dir vorbeischauen. Und vielleicht schaffe ich es ja sogar mal, dir eine Mail zu schicken. :)

    Liebste Grüße aus dem Rhein-Main-Gebiet
    Rebecca

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    1. Super... dieses Schicksal wieder... dich zieht es in den Süden... und mich in den Norden. - Aber dazu später mehr. Ich bin derzeit auch in jeder Sekunde ausgelastet... aber ich freu mich auf deine Mail. :)
      Liebste Grüße zurück!
      ♥︎sabrina

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    2. In den Norden? Na da bin ich gespannt! Hoffentlich nicht zuuuu weit nach oben. Wobei ... von Frankfurt aus komme ich eigentlich überall gleichschnell hin. ;) Habe mir notiert, dass ich dir noch schreibe - mal sehen, wass es klappt.

      Liebst, Rebecca

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