Gastronomische Lowlights {ein etwas anderer Neujahrspost I}

Ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch, liebe Leserinnen und Leser, mit allem was dazugehört: Gesundheit, Zufriedenheit, Frohsinn, Glück und vielen, vielen süßen Köstlichkeiten! 

Mein 2016 hat arbeitsreich, aber schön angefangen und ich habe das Gefühl, dass es beruflich und privat ein sehr spannendes Jahr werden wird. 

Aus kulinarischer Sicht ist es bereits jetzt - am 5. Tag des neuen Jahres - ein Highlight und um Welten besser als 2015 geendet hat. Nach dem Weihnachtstrubel auf der Arbeit habe ich die Tage zwischen den Jahren zuhause in meiner Heimat mit Familie und Freunden verbracht und zum ersten Mal seit Jahren endlich auch wieder Zeit gefunden, mich mit meinen Freundinnen aus der Schulzeit zu treffen. Wir entschieden uns, in der neu eröffneten L'Osteria in Heilbronn eines Abends auf 19.30 Uhr einen Tisch für 4 Personen zu reservieren. Wir waren pünktlich dort - das war aber auch das einzige Mal, dass man im Zusammenhang mit diesem Abend von "Timing" sprechen konnte. 

Das Lokal war voll, nur noch ein mit einem "Reserviert"-Schild gekennzeichneter Tisch frei - die Gruppe, die vor uns den Laden betreten, jedoch nicht reserviert hatte (!), bekam den Tisch und wir mussten warten. Zehn Minuten später waren wir endlich am Nebentisch platziert, hatten Speisekarten und Platzsets bekommen und vertieften uns in die Speisekarte. Und warteten. Und warteten. Und konnten endlich, eine halbe Stunde nachdem wir die Karten beiseite gelegt hatten, unsere Bestellung aufgeben, als eine gehetzte Kellnerin schroff fragte: "Was wollt ihr essen?" (An dieser Stelle möchte ich die Vermutung äußern, dass sie die Getränke, die ja üblicherweise vor dem Essen abgefragt und serviert werden, komplett vergessen hätte, wenn wir sie nicht dazubestellt hätten.) 

Wieder Warten. Wir waren bereits über eine Dreiviertelstunde im Lokal, ehe wir endlich die Getränke bekamen - unter anderem einen Apérol Sprizz, der optisch und geschmacklich vermuten ließ, dass der Apérol in diesem Getränk einfach mal unterschlagen wurde. Der Wunsch, das Getränk geschmacklich an unsere Erwartungen anzupassen, wurde prompt erfüllt - wenn auch widerwillig, nachdem man uns mitgeteilt hatte, wo wir unsere Gläser hinzustellen hatten ("Da muss frei bleiben, sonst passt das Essen nicht hin!" - Welches Essen eigentlich?)

Und dann warteten wir wieder. Bis so gegen 21.30 Uhr die erste Pizza kam - ohne die dazubestellte Salami. Die Pizza wanderte wieder in die Küche und wurde nur wenige Minuten später erneut serviert. Diesmal mit Salami, allerdings war diese nur soweit erwärmt worden, dass Fett heraustriefte - eine knusprige Kruste, wie meine Freundin sie von der bestellten Extrazutat erwartet hatte, suchte man vergebens. 
Bis nach dem Essen die Teller abgetragen wurden, dauerte es (natürlich!) wieder einige Zeit. Tatsächlich fand das Abräumen vermutlich nur statt, weil wir einem Kellner im Vorbeigehen ein Zeichen gaben, dass wir gerne (nachdem wir fast eine Stunde vor leeren Gläsern gesessen hatten) noch etwas zu Trinken bestellen wollten. 

Als ich nach einem Espresso Macchiato (Espresso mit Milchschaum - eine Spezialität, die man in einem auf italienisch getrimmten Lokal kennen sollte) fragte, spiegelte sich auf seinem Gesicht zunächst Verwirrtheit in einem Ausmaß, dass eine meiner Freundinnen (Grundschullehrerin) schon fast gefragt hätte, ob er überhaupt wisse, was das sei. Doch bevor es dazu kommen konnte, nickte er und eilte davon. 

Dies war überraschenderweise das erste Mal an diesem Abend, wo wir nicht lange warten mussten - einen Espresso Macchiato bekam ich allerdings nicht serviert. Stattdessen brachte man einen Espresso und separat ein kleines Kännchen mit Milch. Der Barista, der die Kaffeespezialität an den Tisch brachte, bemerkte mein Stirnrunzeln und ahnte schon, was geschehen war: "Hätte ein Espresso Macchiato sein sollen, oder?" Ich nickte, meine Freundinnen überredeten ihn, den Espresso dazulassen, einen weiteren zu bringen und mir einen neuen zu machen. Der Barista ahnte wohl schon anhand unserer Anspielungen, wie viel an diesem Abend schon schief gelaufen war, denn er ließ uns wissen, dass er die beiden Espressi ohne Milch nicht boniert hatte. 

Dann ein Zahlversuch unsererseits. Der zunächst daran scheiterte, dass plötzlich eine fünfte Pizza auf der Rechnung auftauchte. Um das Problem zu klären schilderten wir dem Kellner, der uns ja erst ab der Espressi-Bestellung bedient hatte, was im Laufe des Abends so vorgefallen war. Im Vorbeigehen schnappte die Schichtleitung einen Teil unserer Unterhaltung auf und kam ebenfalls an den Tisch, um sich die Geschichte mit der Pizza nochmals erzählen zu lassen. Sie zählte auf, wer was hatte und fragte dann gereizt: "Und was ist jetzt Euer Problem?" - die fünfte Pizza, die man uns zuvor noch in Rechnung hatte stellen wollen, tauchte plötzlich auf keinem Bon mehr auf. Wir bezahlten. 
Dann nochmal - immer noch sehr angespannt - die Schichtleitung in genervtem Tonfall: "Ich bring euch jetzt ein Dessert. Das berechne ich nicht. Lief ja nicht alles rund bei euch. Wenn ihr wollt." 

Ich machte mir schon Hoffnungen (schließlich hatte ich den ganzen Abend mit einem Dessert geliebäugelt - berufliches Interesse, ihr wisst schon - und hätte mir sicherlich auch eines bestellt, wenn irgendwann mal ein Kellner greifbar gewesen wäre), die jedoch von dem nächsten Satz meiner Freundin jäh zerstört wurden: "Nee, nee, danke, wir hatten schon den Espresso aufs Haus." 

Und das war das Ende dieses Abends. Dessert bekam ich keins mehr, aber selbst wenn ich eines bekommen hätte, hätte es die vielen gastronomischen Fehler, die an diesem Abend geschehen sind, nicht mehr wettmachen können. Professionalität sieht in der Gastronomie anders aus. Und dass Schichtleitung und Kellnerin 1 beide ihre schlechte Laune an den Gästen ausließen, machte alle weiteren Fehler und Wartezeiten nur noch umso unverzeihlicher. Schade eigentlich.  

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