Küchenklatsch // Tortengala & Messe-Auftritt

Es gibt Orte, die eine ganz besondere Atmosphäre haben. Ein Flair, das sie umgibt. Eine Spannung, die in der Luft liegt, einfach, weil es dieser ganz besondere Ort ist. 
Messehallen, zum Beispiel, verströmen immer diese ganz spezielle Aura, diese Mischung aus entspanntem Bummeln, emsiger Betriebsamkeit und dem Zauber des Neuen. So war es auch am 13. März, dem Tag der Tortengala 2015 auf der Internationalen Handwerksmesse, von der ich euch heute berichten möchte.



Morgens, um kurz vor sechs, liegen die Hallen im ersten Sonnenlicht des Frühjahrstages. Die Stände sind noch mit Planen abgedeckt, Bierbänke sind aufeinandergestellt, die große, weitläufige Halle liegt im Stillen.

Keine zehn Minuten später wimmelt es von Schülern, die eifrig ein paar letzte Handgriffe an Torten und Schaustücken vornehmen, Tische rücken und Banner spannen. Der Aufbau der Tortengala, einer Verlosung von über 200 Torten zu Gunsten des Förderzentrums - Förderschwerpunkt Hören und der Pfennigparade, dauert seine Zeit. 

Die Torten hatten wir in der Meisterschule bereits im Januar entworfen und über Wochen hinweg immer wieder daran getüftelt. In Gruppen zu Dritt wurde jeweils ein Tortenentwurf in 25-facher Ausführung umgesetzt, eine Herausforderung, die eine gute Planung und exaktes Arbeiten erforderten. 




Und so wurde über Wochen hinweg aus meinem Entwurf einer Bonbonniere in Schachbrettform die Fusion mit Ideen meiner beiden Teammitglieder: eine Torte mit Schachfiguren. Tagelang klebten wir Stück für Stück die einzelnen Felder, die wir aus Massa Ticino geformt hatten, aneinander. Die Figuren gossen wir aus Zartbitter-Schokolade - eine mühselige Arbeit, weil wir nur zwei Formen bzw. vier Halbformen zur Verfügung hatten und natürlich nicht jedes Mal alle Teile einwandfrei aussahen, nachdem wir sie aus der Form gelöst hatten. Die Torten selbst - Eierlikörkuchen mit Aprikosenfüllung - sollten im Anschnitt ebenfalls ein Schachbrettmuster ergeben und so mussten wir genau rechnen, abmessen, zuschneiden und die Teile wieder anlegen. 


Wie häufig wir bei diesem Projekt vom ursprünglichen Plan abweichen und improvisieren mussten, haben wir irgendwann nicht mehr gezählt. Zwischendurch hätten wir am liebsten den ganzen Entwurf über den Haufen geworfen und etwas ganz anderes gemacht, aber uns war klar, dass wir damit Probleme nicht hätten verhindern, sondern lediglich zeitlich verzögern können. 



Schließlich blieben wir dem Schachbrett treu - und schufen quadratische Torten, die wir rot samtig sprühten und auf die wir am Ende stolz sein konnten.

Die Torten, Baumkuchen und Bonbonnieren der Meisterschüler werden neben Baumkuchen und Kuppeltorten schön aufgereiht, wobei Zentimeter für Zentimeter abgemessen wird, sodass sie im gleichen Abstand voneinander stehen und das Gesamtbild des Standes einfach perfekt ist. Nach dem anschließenden Fotoshooting ist sogar noch genug Zeit für ein gemeinsames Frühstück, ehe die Messehallen für das Publikum geöffnet werden. 

Mit der Messeöffnung beziehe ich wieder meinen Platz in der gläsernen Backstube, wo ich den zweiten Tag in Folge eingeteilt bin, um vor den Messebesuchern zu demonstrieren, wie Pralinen hergestellt und Schokoladentafeln gegossen werden. 

Gegen Mittag bekomme ich Besuch von Kollegen und Freunden - seitdem existiert auch irgendwo ein Video, das mich beim Tafelgießen zeigt. 
Ab 14:00 Uhr werden die Torten verlost, doch in unserer gläsernen Backstube bekommen meine Kollegen aus der Meisterklasse und ich davon nicht viel mit, auch wenn hin und wieder ein glücklicher Gewinner mit seiner Torte an unserem Stand vorbeiläuft.



In den Gesprächen mit den Messebesuchern realisiere ich, dass viele gar keine richtige Vorstellung von meinem Beruf haben. Eine Dame fragt mich, auf ein Tablett mit Exotik-Trüffel deutend, ob ich diese jetzt in den Backofen schieben würde. Als ich ihr sage, dass es sich bei den kleinen runden Kugeln um Pralinen handelt, scheint sie ganz verwundert zu sein. "Ach, Schokolade ist das! Damit machen Sie auch was!?", stellt sie ganz überrascht fest. "Ich dachte, Sie backen Plätzchen!" 

Offenbar existiert noch recht weitläufig das verklärte Bild von lichtdurchfluteten Backstuben, durch die sich ein Schleier von Mehlstaub zieht, der im Sonnenschein glitzert, während ein glücklich strahlender Konditor einen wohlgeformten Marmorkuchen aus dem Ofen zieht. Dass wir auch Zuckerkunstwerke erstellen, mit Marzipan kleine Figürchen formen oder eben mit Schokolade arbeiten, gerät dabei manchmal in Vergessenheit. 

♥︎sabrina


3 Kommentare :

  1. Ich bin ja immer wieder auf's neue fasziniert, was man auch Schokolade und Zucker so alles Zaubern kann. Wahrscheinlich wissen viele nicht so recht, was ein Konditor so alles macht... wobei ich denke, dass das bei vielen anderen Berufen nicht anders ist. Jeder hat so eine "Klischee"-Vorstellung was der ein oder andere so macht.
    xo.mareen

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    1. Ja, das stimmt wohl, Mareen. Finde ich aber schade, denn ich finde jeder Beruf hat faszinierende oder interessante Aspekte und es wäre schön, wenn man sich genauer vorstellen könnte, was z. B. auch Bekannte und Freunde täglich mindestens 8 Stunden lang beschäftigt.

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  2. Oh solche Messen besuche ich immer so gerne. Ich liebe sie! Die letzte Messe hat mich aber schon etwas umgehauen. Total modern, mit Präsentationssystemen etc.! Nicht schlecht!

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Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mir ein paar Zeilen zu hinterlassen. Sobald das Gebäck der Stunde im Backofen und der Timer gestellt ist, werde ich deinen Kommentar lesen und freischalten!