Küchenklatsch // Liebesgrüße aus Neuseeland {mit Rezept}

Gefühlte zweihundertmal habe ich es dieses Jahr schon erwähnt, aber nichtsdestotrotz besteht die Möglichkeit, dass ich es hier noch nicht geschrieben und ihr es deshalb noch nicht mitbekommen habt: dieses Jahr feiere ich mein zehnjähriges Neuseeland-Jubiläum. Im Dezember werden es zehn Jahre, seit ich zum ersten Mal ins Land der langen weißen Wolke flog und mich Hals über Kopf in die Schönheit der Inseln und die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit ihrer Bewohner verliebte. 




Damals war es ein Schüleraustausch, der mich dorthin brachte, später kehrte ich nach dem Abi dorthin zurück und jagte als angehende Journalistin dem Traum von der großen Story hinterher (und scheute auch nicht davor zurück, dem Ruf meines Chefredakteurs zu folgen und in der Hoffnung auf einen Lead bei Tsunami-Warnung zum Strand zu rennen...). 
Inzwischen verfolge ich hauptberuflich eine Karriere als Konditorin und Pâtissière und habe deshalb vor kurzem ein paar Kiwi-Freunde nach typisch neuseeländischen Süßigkeiten gefragt. Das Ergebnis: am Montag marschierte ich aufs Postamt, um ein Päckchen voller "typical Kiwi sweets" abzuholen.

Natürlich bringt mich das ein klitzekleines bisschen zu einem ethischen Dilemma. Einerseits bin ich Handwerkerin, stolz darauf, eigene Produkte aus hochwertigen Rohstoffen zu produzieren - andererseits sind neuseeländische Süßigkeiten, so einzigartig sie auch sein mögen, so ziemlich genau das Gegenteil davon. 

Hier in Deutschland unterscheiden wir in der Fachsprache zwischen "Industrieware" und "Handwerkerware", wobei "Handwerker" in dem Fall handwerkliche Nahrungsmittelberufe, also Bäcker, Metzger, Konditoren... meint, während der Begriff "Industrie" in diesem Zusammenhang auf günstige Massenware der Süßwarenhersteller abzielt. Man könnte auch sagen: Supermarkt vs. Fachgeschäft.

In Neuseeland gibt es keine Konditoreiszene, wie wir sie aus Mitteleuropa und speziell Süddeutschland, Österreich und der Schweiz kennen. Schokolade fällt unter den Begriff "sweets" und die Hersteller hängen in der Regel fast immer mit großen britischen Unternehmen zusammen, die für den australischen Markt spezielle Produktionslinien fahren. 



Ausnahme ist die Firma Whittaker's, die zwar nach Definition eines deutschen Handwerkers wohl auch unter den Begriff "Industrie" fällt, aber für mich dennoch irgendwie eine Sonderstellung einnimmt. Sie ist tatsächlich noch immer ein neuseeländischer Familienbetrieb mit Sitz in Poirua, Wellington, auch wenn sie ihre Schokoladen auch in den asiatischen Raum und nach England vertreibt. 

Ein weiteres Industrie-Produkt mit Sonderstellung ist der Kiwi-Klassiker "Lemon & Paeroa", kurz "L&P" genannt. L&P ist eine neuseeländische Limonade, die von Coca Cola in Auckland hergestellt und vertrieben wird und neben "Tui"-Bier das neuseeländische Getränk schlechthin ist. 

Beide Firmen haben sich zusammengeschlossen, um eine Schokolade zu kreieren, die sich ebenfalls in dem Päckchen von meiner lieben Freundin fand: L&P Schokolade von Whittaker's, weiße Schokolade mit dem Geschmack der Limonade und Knallbrause, die im Mund explodiert. "Industrieware" par excellence, wie wohl der Handwerkskonditor sagen würde - aber nichtsdestotrotz lecker! Und sie schmeckt einfach nach Neuseeland... 

Um diese ewig lange Story abzukürzen, die dazu diente, euch aufzuzeigen, warum ich, als große Verfechterin von Qualitätsprodukten und eigener Herstellung, manchmal eben doch auch auf Industrie-Produkte zurückgreife: die Liebe ist schuld. Denn nur der Liebe zu Neuseeland wegen habe ich aus dieser Schokolade L&P Chocolate Chip Cookies gebacken. 

Lemon & Paeroa Chocolate Chip Cookies 

100 g Butter
140 g Kristallzucker 
30 g Rohrzucker 
eine Prise Salz
eine Prise Backpulver
1/2 Vanilleschote (Mark)
1 Ei
100 g backfeste Schoko-Tropfen Zartbitter
50 g Whittaker's L&P Block (oder eine andere Schokolade nach Wahl - ziemlich ähnlich dürfte diese hier - übrigens ein Konditorprodukt -  sein*), gehackt 
200 g Mehl
50 g Stärke 

Butter, Zucker, Vanille und Salz gut verkneten, Ei zugeben und kurz unterrühren. Zum Schluss Schokolade, Mehl, Stärke und die Prise Backpulver untermischen und auf niedriger Stufe so lange weiterkneten (statt Knethaken lieber Flachschläger benutzen), bis ein kompakter Teig entsteht. In Folie geschlagen im Kühlschrank mindestens zwei Stunden ruhen lassen. 

Aus dem gut gekühlten Teig kleine Kugeln formen und mit ausreichend Abstand auf ein Blech setzen. 
Bei 180°C ca 12-15 Minuten backen. 

*Natürlich ist mir klar, dass es in Deutschland schwierig ist, an L&P-Schokolade zu kommen, wenn man nicht gerade wie ich das Glück hat, tolle Kiwis als Freunde zu haben. Aber dieses Rezept ist lediglich eine Variation meines Lieblings-Cookie-Rezepts und lässt sich mit jeder anderen Schokolade natürlich auch nachbacken. Für intensive, säuerliche Schokoladen würde ich diese Menge auf jeden Fall empfehlen, bei milderen Sorten mit weniger Säure, wie Erdbeere, kann der Anteil der Schokolade natürlich auch nocheinmal um bis zu 50g erhöht werden. 

Wer jetzt aber noch Lust hat, ein bisschen über Neuseeland zu lesen, dem lege ich folgende Links ans Herzen:

- "Fräulein Zebra": bei Kristin findet ihr auch immer mal wieder Schwärmereien und Rezepte von Neuseeland
- wie es mir selbst damals in NZ erging, könnt ihr auf meinem "alten" Aotearoablog nachlesen (auf dem ich allerdings später auch über meine Erfahrungen in England geschrieben habe, also nicht wundern), von meinen ersten Back-Abenteuern down under habe ich letztes Jahr einen Gast-Beitrag für "Rehlein backt" geschrieben
- bakin=love: ein neuseeländischer Backblog aus meiner "Heimatstadt" Wellington

♥︎sabrina



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