Frederick {oder: Wie ein Schaustück entsteht...}

Das Wichtigste vornweg: ihr könnt mit mir zusammen aufatmen - Teil III der Meisterprüfung ist bestanden. Das weiß ich inzwischen schon seit über einer Woche und wer mir auf Twitter und facebook folgt, hat es sicherlich bereits gelesen, aber ich wollte auch hier noch einmal meiner Erleichterung kundtun. Jippieh! Bestanden! 

Viel Zeit für rauschende Parties bleibt leider nicht, denn Teil I, II und IV hängen bereits wie drei Damokles-Schwerter drohend über den Köpfen meiner Mitschüler und mir. Aber seit wir wissen, dass die erste Hürde geschafft ist, scheint uns alles ein wenig leichter zu fallen (und in einem Jahr werden wir sicherlich darüber lachen, wie sehr wir uns unter Druck setzen (lassen)!). 



Inzwischen dreht sich im Schulalltag - neben dem morgen anstehenden Besuch der japanischen Austauschschule und den Vorbereitungen auf die Internationale Handwerksmesse, die nächste Woche in München stattfindet - Vieles um das süße Buffet, das wir im Juli als Teil der praktischen Prüfung erstellen sollen und dessen zentraler Blickfang ein Schaustück aus Zucker und/oder Schokolade sein wird. 

Als Meisterschüler hat man in der Regel relativ wenig Erfahrung mit Werbestücken dieser Größe, deshalb zeichnen und skizzieren wir (DIN A2, also Originalgröße des späteren Schaustücks), basteln, planen und bauen. Im Januar haben wir zu diesem Zweck Werbestücke früherer Meisterprüfungen in den beiden Werkstoffen Zucker und Schokolade in Zweier-Teams nachgebaut. 

Meine Teamkollegin und ich haben uns "den Hamster" ausgesucht. 
Wir dachten: einfache Flächen, relativ überschaubar, wird wohl ganz leicht werden. 
Woran wir nicht dachten: Ebenen. 
So ein zweidimensionaler Hamster kann nämlich, so einfach er auch aussehen mag, aus ganz vielen Ebenen zusammengesetzt sein. Und diese einfach mal so in Zucker zu gießen oder aus wachsweicher Schokolade so auszuschneiden, dass die Figur am Ende auch steht, ist gar nicht so einfach. 



Morgens um Acht, Tag I, Schokolade. Unserer beider Motivation war auf einem recht hohen Level (wenn man mal außer Acht lässt, dass Montagmorgen war) und wir begannen recht zügig mit dem Aufstreichen und Ausschneiden der Schokolade. 
Abgesehen von ein paar kleinen unvorhergesehenen Unterbrechungen kamen wir relativ zügig voran und stellten irgendwann erleichtert fest, dass wir an dem Punkt angelangt waren, an dem wir "nur noch alle Teile zusammensetzen" mussten. Nur noch. 

Inzwischen waren wir uns über die Ebenen - also die Reihenfolge der Teile -  einigermaßen klar geworden; eine Schrecksekunde erlebten wir allerdings beim Ankleben der Arme, als uns plötzlich der Kopf entgegenfiel. Frederick, wie wir den Hamster inzwischen getauft hatten, hatte jedoch Glück im Unglück: ich konnte den Kopf gerade noch auffangen und wir konnten ihn unbeschadet wieder anbringen. 
Am Ende des Tages waren wir ganz zufrieden mit unserem Werk (unser erstes großes Schaustück, so gesehen lief es ja eigentlich ganz gut!) und wir rechneten damit, dass Frederick II. am folgenden Tag ein Kinderspiel würde. Ein anspruchsvolles Kinderspiel zwar, aber dennoch ein Kinderspiel. 

Natürlich wurde es alles andere als einfach. Und natürlich spielten uns die Ebenen doch noch einmal einen Streich. Anders als bei Schokolade reicht es bei Zucker nämlich nicht, einfach eine glatte Platte zu gießen - will man eine schöne, deckende Farbe erreichen, sollte man der Farbfläche eine weiße Grundplatte zugrunde legen, was mehrmaliges Gießen in dünnen Schichten erfordert. 




Gerade wieder beim Kopf erreichten wir dadurch natürlich ein enormes Gewicht. Und irgendwann fing das große Knacksen an: unsere Grundplatte mit Körper Risse - vermutlich deshalb, weil wir nicht daran gedacht hatten, die erste weiße Grundschicht von der Silpat-Matte zu lösen, ehe wir die nächste Schicht daraufgossen. Durch die Spannung und den Temperaturunterschied entstanden kleine Sprünge in den Zuckerplatten, die zu optischen Abstrichen und Statikproblemen führten. 

Letzten Endes mussten wir ein wenig improvisieren und den abgekrachten Kopf mithilfe eines Verbindungsteils auf der Rückseite befestigen. Die Anordnung der Stützen an der Rückseite des Schaustücks war am Ende ebenfalls recht kreativ, aber die Hauptsache war: auch Frederick II. stand aufrecht.  

Das ganze Projekt hat unsere Nerven strapaziert, aber letzten Endes haben wir doch auch viel über die beiden Werkstoffe, über Statik und Temperatur, Gewicht und Arbeitstechniken und nicht zuletzt über die Wichtigkeit der richtigen Anordnung vielschichtiger Ebenen gelernt. Ob wir schon bereit für unsere eigenen Schaustücke sind, wird sich bald zeigen. 

♥︎sabrina





4 Kommentare :

  1. Liebe Sabrina,

    zuerst mal: herzlichen Glückwunsch! So eine Meisterprüfung stelle ich mir wahnsinnig langwierig und anstrengend vor. Und vor allem, weil man am laufenden band so zauberhafte Frederickse herstellen muss ;)
    Respekt. Sieht zum anknabbern und verlieben aus.

    Liebste Grüße,
    Stefanie

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    1. Hallo Stefanie,

      vielen Dank für die netten Worte. Frederick würde sich sicher freuen zu hören, dass du ihn als "zauberhaft" bezeichnet hast. ;) Ständig kreativ sein zu müssen, zehrt tatsächlich an den Nerven, aber ich merke auch, wie es mich in meiner Arbeit unglaublich weiter bringt und das ist das Schöne daran.

      ♥︎sabrina

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  2. Liebe Sabrina,

    ich gratulier jetzt auch einfach mal. Und wünsch dir viel Erfolg beim letzten und wichtigsten Teil. Es grüßt aus dem Westen von München

    Martin

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