Zuckerkunst // Traganthblüten 2.0

Hier kommt er nun also, der Bilderflut zweiter Teil. Nebenbei möchte ich euch aber noch ein bisschen mehr über meine Fortbildung in Sachen Traganth berichten. 

Als ich am 14. Juli voller Spannung in die Pâtisserie-Schule SweetArt von Robert Oppeneder nahe München spazierte, war ich gespannt wie ein Flitzebogen auf die Dinge, die mich an diesem und dem nächsten Tag erwarteten. 

Nach einer kurzen Vorstellung von Herrn Oppeneder, Kursleiter Andy Whitson (der fast ausschließlich auf Englisch referierte) und den Teilnehmerinnen (ausnahmslos Frauen, sechs davon Konditorinnen - und eine Steuerfachangestellte, die sich der Tortenkunst als Hobby verschrieben hat), begannen wir mit einer für die Pâtisserie untypischen Arbeit: Blütendraht umwickeln. Dazu verwendeten wir Floristenband, das man verwendet, damit die einzelnen Blumenstiele später, wenn sie zu einem Bouquet gebunden werden, besser aneinander haften. 



Dann begannen wir endlich mit der Modellierarbeit und formten das Innenleben von Rosenblüten, die kleinen gelben Blüten vom Winterjasmin und stachen aus ausgerollter Blütenpaste Blütenblätter von Nelken und Orchideen aus. 

Nach jedem Schritt müssen die Einzelteile der Blüten etwas trocknen - mindestens zehn Minuten lang, generell gilt jedoch: je länger, desto besser. 


Bislang hatte ich beim Modellieren von Rosen jedes Blatt einzeln gemacht. In diesem Kurs habe ich jedoch eine neue - und sehr viel effizientere - Methode kennengelernt. Mithilfe eines Ausstechers haben wir zunächst drei, später fünf Blätter ausgestochen und schließlich einfach um die Knospe gelegt. Etwas nachmodelliert, angedrückt, mit Eiweiß festgeklebt, fertig. Eindeutig eine Arbeit für ruhige Hände, aber weniger aufwändig als meine bisherige Methode!  


Für die Rosen und die Winterjasmin verliehen wir der Blütenpaste mithilfe von Puderfarben eine Grundfärbung, ebenso für die Blätter, während wir die Teile für Orchideen und Nelken aus weißer Paste modellierten. 



Später, nachdem die Blüten ausgehärtet waren, trugen wir an den Rändern vorsichtig Farbakzente auf. Mithilfe von Wasserdampf fixierten wir die Farben und dann endlich kam die wohl nervenaufreibendste Aufgabe des Workshops: das Binden der Blüten zum Bouquet. 


Dies erforderte nicht nur meine ganze Konzentration, sondern resultierte auch darin, dass nach und nach jede Kursteilnehmerin in das kollektive Fluchen einstimmte, wenn wieder einmal ein Blättchen abkrachte, die Blüte zu zerspringen drohte oder das Bouquet auch einfach nur zu eng gebunden wurde, sodass kein Platz mehr für die anderen Blumen war. 

Letzten Endes schaffte es jedoch jede von uns, ihre Blüten hübsch zu arrangieren und auf einem - zwischendurch mit weißem Massa eingedeckten - Styropor-Dummy zu befestigen. Am Ende probierten wir noch ein neues Produkt zur Herstellung essbarer Spitze als Tortendekoration aus. Von dem Verfahren war wohl keine von uns begeistert - am Ende überzeugte trotzdem die Optik und fast jede Torte bekam einen Rand aus grauer Spitze als Dekor. 

Am Ende des Tages stand ich schließlich noch vor der kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Hürde, die Torte ohne Verpackungsmaterial (ich hatte einfach keinen passenden Karton) in Bus, U- und S-Bahn heil nach Hause zu bringen. Ihr könnt euch vorstellen, wie mich die Leute angeschaut haben, als ich bei knapp 30°C ein weißes, englisches Hochzeitstörtchen durch den Münchner Nahverkehr balancierte! 

Jetzt steht das gute Stück dekorativ in meiner Wohnung und erinnert mich immer wieder daran, wie inspirierend es sein kann, mal für zwei Tage aus dem Pâtisserie-Alltag auszubrechen und Neues zu lernen. Und endlich mal wieder Englisch zu reden hat auch gut getan. ;) 

♥︎sabrina

P.S.: Bei "Törtchen und andere Leckereien" gibt es übrigens nochmal einen tollen Überblick über Blütenpaste, Fondant und Modelliermasse! Ist definitiv ein Blick wert, falls ihr mit der Materie noch nicht so vertraut seid, aber gern mehr wissen wollt. 



2 Kommentare :

  1. Darf ich da mal einen Kurs bei dir machen? Ich möchte sowas definitiv auch können!!! Liebe Grüße

    Tabea

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