Rezept // Shortbread {gegen Fern-Heimweh}

"Und, was machst du dann nach der Meisterschule?", hat mich jüngst der neue Kollege im Hotel gefragt. 
"Hm." Mehr als einen unverbindlichen, dennoch zögerlichen Laut konnte er mir damit zunächst nicht entlocken. Schließlich wollte ich ihn nicht gleich mit meiner Neuseeland-Schwärmerei schockieren und für den Rest des Arbeitstages über das Land meiner Träume schwadronieren. 
"Ich meine, was sind so deine Pläne, längerfristig?"
"Längerfristig? Permanent? Für immer und ewig? Neuseeland!", antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. Aus und vorbei war es mit den guten Vorsätzen und für die nächsten zwanzig Minuten plapperte ich munter über die Vorzüge Neuseelands gegenüber den Nachteilen Deutschlands. Der Neue war gefühlsmäßig dabei wohl irgendwo zwischen amüsiert und verwundert, aber er konnte sich schlecht beschweren, schließlich hatte er nachgefragt und damit meinen eher untypischen Redeschwall erst heraufbeschworen. 




Neuseeland ist und bleibt einfach das Land meines Herzens. Zwar entwickelt sich meine Karriere inzwischen in eine ganz andere Richtung als ich es noch vor zehn Jahren, vor meinem ersten Neuseeland-Besuch, gedacht hätte, aber ein Ziel hat sich trotzdem nicht verändert: auswandern. Irgendwie hänge ich noch immer an diesem Vorsatz fest und ich glaube, daran wird sich so schnell auch nichts ändern. "If it's still on your mind, it's still in your heart", sagt man ja schließlich nicht ohne Grund. 

Seit ich also dem Kollegen von Kiwis und Schafen, Pavlova und Hobbit-Dörfern vorgeschwärmt und von meiner auf Eis gelegten Journalismus-Karriere berichtet habe, hat mich wieder akutes Neuseeland-Heimweh gepackt. Ja, richtig gelesen: Heimweh. Nicht Fernweh, wie er mich zu berichtigen versuchte, sondern Heimweh. Denn Heimweh ist, wenn man die Heimat vermisst. Und Neuseeland ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. 




Gegen Heimweh hilft am besten Süßes. Als ich in Wellington Deutschland vermisst habe, hat eine Tafel Ritter Sport Wunder gewirkt. Und wenn ich hier in München Neuseeland vermisse, hilft Shortbread. 

Shortbread: kleine, zart-sandige Kekse, die so einfach nachzubacken sind, dass ich mich als Konditorin schon fast dafür schämen muss, und die hervorragend zu Kaffee passen. Wenn mir jetzt noch jemand einen original Flat White kredenzen würde, wäre ich der wohl glücklichste Exil-Kiwi by heart auf Erden. 

Wenn euch jetzt das Heim- oder Fernweh gepackt hat oder wenn ihr einfach Lust auf schnelle, einfache, aber dennoch himmlische Kekse habt, die sprichwörtlich auf der Zunge zergehen, dann ab in die Küche mit euch! Das Rezept stammt übrigens aus Edmond's Cookery Book, der Küchenbibel einer jeden neuseeländischen Hausfrau. 

Shortbread

125 g weiche Butter
75 g Puderzucker
125 g Mehl
75 g Weizenstärke

Butter und Puderzucker aufschlagen, bis die Butter weiß und cremig ist (wie bei der Herstellung von Buttercreme). Mehl und Weizenstärke darübersieben und nur solange kneten, bis ein glatter Teig entstanden ist. Diesen mit etwas Mehl ausrollen (ca. 2mm) und mit einem runden Ausstecher Taler (oder mit einem anderen Figuren deiner Wahl) ausstechen. Auf Backpapier oder einer Silpat-Matte bei 150°C 30 Minuten lang backen. 

Dazu passt übrigens hervorragend Lemon Curd (dann wird's britisch), Dulce de Leche (Latino-Einschlag) oder einfach nur eine herrliche Tasse Kaffee... 

♥︎sabrina

4 Kommentare :

  1. Ach ja, nach NZ auswandern wollten wir auch! Dann kamen die Kinder und jetzt sitzen wir hier und es wird wohl eine ewige Schwärmerei Bleiben. Leider! Also, TU ES, solange Du ungebunden bist. Du wirst es sicher nicht bereuen! Lg Tina

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    1. Oh, Tina, du kannst dir gar nicht vorstellen, welches Lächeln dein Kommentar auf mein Gesicht gezaubert hast. Es ist ein großer Schritt, es gibt viele Wenn und Aber - vor allem von mir, weil ich immer, immer, immer zaudere und mir gern alle Optionen offen halte. Ich brauche eben manchmal einfach einen Schubs in die Richtung, von der ich eigentlich ja schon weiß, dass ich dort hingehöre und es tut gut, einfach einmal ermuntert zu werden. ;) Danke dafür!
      ♥︎sabrina

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  2. Das ist ja toll! Ich hoffe, das Fernweh konnte etwas gestillt werden.

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    1. Hey Tammy, ja, Fernweh wurde ein bisschen gestillt. Aber ohne die Kekse hätte das nicht so gut funktioniert. ;)

      ♥︎sabrina

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Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mir ein paar Zeilen zu hinterlassen. Sobald das Gebäck der Stunde im Backofen und der Timer gestellt ist, werde ich deinen Kommentar lesen und freischalten!