Der ganze Stolz (m)einer Mutter

Meine Mutter hatte schon immer ein Talent dafür, der Welt zu zeigen, wie stolz sie auf ihre Kinder ist. Als mein älterer Bruder seine Ausbildung zum Koch machte und wir eines abends in seinem Lehrbetrieb ein leckeres Drei-Gang-Menü verspeisten, machte er den Fehler, kurz aus der Küche herauszuschauen um zu sehen, ob es uns schmeckte. 

Darauf sprang meine Mutter auf, klatschte vor Begeisterung in die Hände und rief - zur Verwunderung und zum Amüsement der anderen Gäste - voller Stolz und in bestem Schwäbisch: "Mein Bua*! Und er hat eine weiße Kochjacke an!" Abgesehen davon, dass es ihm in dem Moment wohl etwas peinlich war, dass nun alle Gäste nicht nur nach der Quelle des Tumults Ausschau hielten, sondern auch seine Uniform peinlich genau nach Flecken absuchten, hat sich dieser Satz im Laufe der Jahre zu einem running gag in meiner Familie entwickelt. 



So gesehen bin ich verhältnismäßig gut weggekommen - wenn ich während meiner Ausbildung mal einen Blick aus der Backstube heraus gewagt habe, hat sie mich zwar immer stolz angestrahlt, es gleichzeitig jedoch vermieden, die Aufmerksamkeit der übrigens Café-Besucher auf mich zu ziehen. 

Am Mittwoch dann waren meine Eltern, meine Oma und ich gemeinsam essen im Gasthaus Hotel Adler, einem tollen, ursprünglichen Restaurant in der Nähe meiner Heimatstadt. Meine Eltern ließen sich den ersten Spargel der Saison schmecken, meine Oma schwelgte in Erinnerungen über die Leber, die sie verspeiste und ich ließ mir ein feines Lamm auf der Zunge zergehen. Das Essen war ein Traum und ich wusste (von früheren Besuchen), dass mich auch der Nachtisch nicht enttäuschen würde. 



Und gerade, als ich bestellen wollte, erklärte meine Mutter hinter vorgehaltener Hand und in verschwörerischem Unterton: "Meine Tochter ist nämlich gelernte Konditorin und arbeitet in der Dessertküche eines Fünf-Sterne-Hotels in München!" 

Da war er wieder, der Moment, um in den Boden zu versinken. Der leicht besorgte Blick des Kellners, wie er sich nur auf den Gesichtern von Gastronomen widerspiegelt, die das Urteil anderer Gastronomen ehrfürchtig erwarten. Die vorsichtige Geste, mit der der Teller vor mir platziert wurde. Das zaghafte Nachfragen, ob alles recht sei. Und die Erleichterung, als ich strahlend erkläre, wie toll die Dessertvariation aus Rotwein-Sorbet, Schokomousse, Nusskuchen, Obst und Maracuja-Panna Cotta doch schmecke. 

Zusammenfassend sollte ich wohl sagen: das Dessert war - wie auch der Hauptgang - ein Gedicht und auch wenn sie manchmal für komische Blicke sorgen, sind die spontanen Stolzes-Bekundungen meiner Mutter doch immer eine nette Überraschung für alle Beteiligten. Und da ja bekanntlich jede Tochter irgendwie auch wie ihre Mutter wird, werde ich später wahrscheinlich meinen Stolz mal genauso in die Welt hinausposaunen. :) 

♥sabrina

{* = schwäbisch für "Junge"}

2 Kommentare :

  1. Deine Mutter klingt richtig zum Knuddeln! <3 Erinnert mich ein bisschen an meine Oma. Die ist zwar nie so peinlich laut, aber heult bei jedem kleinen Bisschen. Sehr schön geschrieben! :)

    Liebeste Grüße
    Rebecca

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    1. Hihi, ja meine Mum ist generell sehr kontaktfreudig und berichtet jedem, der es hören will (und auch allen anderen) sehr gerne von ihren Kindern. Wirklich zum Knuddeln!

      ♥sabrina

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