On a Valentine's Day {… als ich mein erstes Menü schicken durfte}

Den aufmerksamen Lesern unter euch dürfte es schon aufgefallen sein: um die typischen Blogger-Feiertage mache ich einen so großen Bogen, dass man meinen könnte, die kanadischen Gebirgsjäger seien hinter mir her. Meine Back- und Blogleidenschaft kam in der Vorweihnachtszeit ebenso zum Erliegen wie jüngst am Valentinstag. 

Im Ernst, wenn zweihunderttausendmilliarden Blogposts über Herzen, Rosen und Verbrechen an Marzipan und Schokolade meinen Reader überfluten, muss ich nicht auch noch meinen Senf dazugeben - da bleib ich doch lieber offline und erzähle jedem, der es hören will, dass überhaupt nichts Romantisches daran ist, wenn ein Mensch irgendwann auf Geheiß der Kirche gehängt wird.   




Heute, eine Woche später, ist die Welt zum Glück wieder entromantisiert und ich kann euch gefahrlos von meinem Valentins-Menü berichten. Am 14. Februar war ich nämlich auf der Arbeit zum ersten Mal allein dafür verantwortlich, den letzten Gang des Menüs für Paare (und solche die es werden wollten) zu schicken. 
Gemeinsam hatten wir in der Pâtisserie ein Dessert kreiert, dass ich am Abend anrichten und herausgeben sollte: Lychee-Rosenwasser-Mousse im Kuvertüre-Körbchen, rotes Beeren-Sorbet, weißer Schokoladenkuchen mit Pistazien-Soufflée und mit Canache gefüllten Himbeeren. Auf einem Teller angerichtet, mit Herz-Macarons und Schoko-Dekor mit kandierten Veilchen dekoriert, ein Traum-Dessert für Verliebte, wenn ihr mich fragt. 

Natürlich lief nicht alles reibungslos - die ersten 100 Desserts gingen zackig raus, dann brachte mich eine größere Gruppe Singles, die ihre Desserts (die ich im Rahmen meines Mîs-en-place natürlich bereits bis auf den warmen Kuchen und das Sorbet angerichtet hatte) auf separaten Tellern haben wollten, kurzzeitig ins Schwimmen. Ich konnte auf die Schnelle keine vorgekühlten Teller auftreiben und als ich die Schoko-Körbchen mit dem Mousse auf frisch gespülte und daher noch warme Teller setzte, schmolz die Schokolade, das Mousse lief davon, ich war den Tränen nahe. 




Ich flitzte durchs Haus, suchte Teller, zählte panisch meine Reserve-Vorräte und fuhr Gefühlsachterbahn, als ich versuchte abzuwägen, ob ich mich einfach im Froster verstecken und still und leise erfrieren oder mich mit neuen Tellern in die Küche wagen und der Herausforderung stellen sollte. 
Ich tat Letzteres - Fortuna war mir hold, die allerletzten Desserts schmolzen nicht dahin und wurden (nach einem kleinen Wutausbruch meinerseits, weil die lieben Service-Kollegen einfach nicht in die Gänge kamen) letzten Endes doch noch heil zum Tisch gebracht. Ende gut, alles gut. Und damit, dass ich mich mit diesem kurzzeitigen Panik-Anfall zum Gespött meiner abgebrühten Kollegen (Köche!), die sowas natürlich schon hunderte Male erlebt haben und dementsprechend routiniert und gelassen sind, gemacht habe, kann ich gut leben. Solange über dich geredet wird, bist du wenigstens nicht tot, sag ich immer. 

♥sabrina

P.S.: Hier gibt's noch was Passendes auf die Ohren für euch: 



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