Konditorei gestern, heute und morgen

Meine neue Wohnung in München ist zwar nicht meine erste eigene Wohnung (sondern meine 3.), aber meine erste eigene auf dem kontinentaleuropäischen Festland. Als ich nach Neuseeland und England zog, mussten meine Habseligkeiten in einen Koffer passen - für persönliche Gegenstände oder Bücher war da nicht viel Platz. Dafür hatte ich vor Ort voll ausgestattete Wohnungen bzw. Wohngemeinschaften und musste keine Möbel besorgen. Bei diesem Umzug jedoch wird das volle Programm durchgezogen: neue Möbel, Mini-Backofen, Fernseher, Bücher, Backformen - und kistenweise persönliche Gegenstände. 



Mitten im Umzugstrubel wandern meine Gedanken hin und wieder auch zurück an den Beginn meiner Ausbildung als Konditorin. Ich war ausgebildete Journalistin, bereit den nächsten Watergate-Skandal oder zumindest eine Affäre von gleichem Kaliber aufzudecken, gleichzeitig aber auch ernüchtert von meinen Erfahrungen in London, die so wenig mit dem zu tun hatten, was ich unter ernsthaftem journalistischen Handeln verstehe. 
Also beschloss ich, mich als Konditorin zu bewerben. Ich rechnete nicht damit, eine Stelle zu bekommen (mit 22 kam ich mir für eine Berufsausbildung reichlich alt vor) und war mental schon wieder dabei, meine Koffer für Neuseeland zu packen, als ich doch ein positives Feedback auf meine Bewerbung erhielt und mich meinem Schicksal fügte. In den folgenden Wochen und Monaten entdeckte ich meine Liebe zu diesem Beruf. Schon ein halbes Jahr nach Ausbildungsbeginn nahm ich an einem Wettbewerb auf der Fachmesse INTERGASTRA in Stuttgart teil. Wieder rechnete ich mir keine Chancen aus - und wieder wurde ich eines Besseren belehrt. Mit meiner Torte landete ich den dritten Platz im Lehrlingswettbewerb und fühlte mich in der Wahl meines zweiten Berufs erneut bestätigt. Das Thema zum Wettbewerb war "Konditorei gestern, heute und morgen" und meine Kreation seht ihr hier auf den Bildern. 



Die "Torte" ist eine Schautorte aus Styropor, überzogen mit braungefärbtem Massa Bianca. Der Teil links vorne, der mit traditionellen Gebäcken (Marmorkuchen, Schwarzwälder Kirschsahnetorte, Lebkuchen, Hefezopf, Croissant...)  "gestern" symbolisiert, wurde mit Goldpuder, der Teil rechts hinten (die Zukunft der Konditorei mit futuristischen, knallbunten Gebäcken) mit rotem Candurin abgepudert, um auch farblich einen Kontrast zu erzielen.
Meine Meisterin, die mich bei der Wettbewerbsvorbereitung unterstützt hat, nahm ebenfalls an dem Wettbewerb teil und gewann in ihrer Kategorie den zweiten Platz. {Solltet ihr zufällig mal in Miltenberg sein, solltet ihr unbedingt in ihrem neuen Laden vorbeischauen, da gibt's sooo tolle Köstlichkeiten!}
Und als besonderes Sahnehäubchen durfte ich im Anschluss auch noch einen kleinen Pressetext schreiben (den unsere Lokalzeitung ohne Änderung übernahm). Besser kann man zwei Berufe doch nicht verbinden, oder? 


2 Kommentare :

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