Rezept // Hefeschnecken

Niemals hätte ich gedacht, dass es so schwierig ist, eine Wohnung in München zu finden. Aber es ist wahr: es ist schlichtweg der Horror.
Die vergangenen zehn Tage standen eigentlich als "Urlaub" im Kalender, tatsächlich habe ich sie aber non-stop mit Wohnungssuche verbracht. Von zwanzig Anzeigen, auf die ich geantwortet habe, bekam ich genau fünf Rückmeldungen - und vier davon waren Betrugsversuche nach dem Schema "Überweisen Sie 500 €, dann hinterlegen wir den Schlüssel, damit Sie die Wohnung mal anschauen können." Ja klar. 
Inzwischen habe ich den Überblick verloren, wie viele Wohnungen ich mir online ausgeguckt und bei wie vielen ich überhaupt mal eine Antwort bekommen habe. Bei Mails à la "Lieber Mietinteressent" bekomme ich Schreianfälle. Bei Maklern, die einen grundlos versetzen, übrigens auch. 
Und dann, gestern, als ich schon jede Hoffnung aufgegeben hatte und beschloss, doch in einen Wohnwagen zu ziehen oder unter der Brücke zu schlafen, das Wunder: ich bekomme die süße Dachgeschosswohnung mitten im Zentrum, in die ich mich bei der Besichtigung am Samstag auf den ersten Blick verliebt hatte!

Morgen ist Übergabe und dann kommt endlich der Teil, auf den ich mich am meisten freue: das Einrichten. Gestern kamen auch die Noten meiner praktischen Gesellenprüfung und eine erste Einladung zur Freisprechungsfeier im September. 



Und gestern gab es Mohnschnecken. Ich steckte nämlich mit beiden Händen knöcheltief im Hefeteig, als der Anruf vom Immobilienmakler kam. Und hatte die Hände voller Mohnfüllung, als der Postbote den Brief von der Handwerkskammer brachte. Und jetzt habe ich eine Wohnung, ein Abschlusszeugnis und Mohnschnecken - alles auf einmal. Was will der Mensch mehr?

Hier hab ich das Rezept für euch:

Saftige Mohnschnecken für jeden Anlass


Hefeteig

500 g Mehl 
40 g Hefe
180 g Milch
100 g Zucker
1 Ei
1/2 TL Salz
80 g flüssige Butter

{Dieses Rezept basiert auf dem Hefegrundteig-Rezept aus dem Thermomix-Kochbuch "Jeden Tag genießen", allerdings habe ich die Flüssigkeitsmenge reduziert und die Butter flüssig zugegeben.}

Bei Hefeteig empfiehlt es sich immer, einen Vorteig zu machen. Das geht ganz einfach: die Hälfte des Mehles mit Hefe und einem Teil der Milch verkneten. In diesem Fall: 250 g Mehl, 40 g Hefe und ca. 100-150 g Milch kneten, bis ein glatter Teig entsteht. Dann können die übrigen Zutaten zugegeben und der Teig weitergeknetet werden. Ist ein glatter Teig entstanden, der sich gut von der Kesselwand löst, kann der Hefeteig zur Ruhe 30 Minuten an einen warmen Ort gelegt werden. 



In der Konditorei erfolgt diese Ruhezeit als "Stückgare", das heißt, der Teig wird zunächst zu den Konditoreierzeugnissen (Schnecken, Zöpfe, Butterkuchen...) aufgearbeitet und anschließend lässt man ihn gehen. Im Haushalt empfiehlt sich diese Methode allerdings nicht unbedingt (es sei denn, man hat unendlich Platz in der Küche, sodass man die Teilchen ausbreiten und auf Blechen gehen lassen kann). 
Ich lege meinen Teig meistens auf der bemehlten Arbeitsfläche ab - und bei einem Teig mit so viel Zugussflüssigkeit muss er nicht einmal unbedingt abgedeckt zu werden. 

In der Zwischenzeit geht es an die Füllung:

Füllung

300 g Milch
80 g Weizengrieß
20 g Zucker
80 g Mohn

Milch aufkochen, dann Grieß und Zucker unterrühren, bis die Masse andickt (dabei evtl. nochmal aufkochen lassen). Vom Herd nehmen und Mohn unterrühren. Gegebenenfalls muss man die Masse mit einem Schuss Milch noch verdünnen, damit sie streichfähig wird.

Nach 30 Minuten Gare kann der Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche zum Rechteck (ca. 1 cm dick) ausgerollt und mit der Mohnfüllung bestrichen werden. Dann rollt man ihn breitseitig auf und schneidet die entstandene Rolle in ca. 1 cm dicke Schnecken. Diese legt man auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech und bäckt sie im vorgeheizten Ofen bei ca. 180-200°C eta 15-20 Minuten. 

Guss 

1-2 EL helle Konfitüre (z. B. Aprikose, Marille, Mirabelle, Ananas...) 
1 EL Wasser

1-2 EL Zuckerguss

Noch während die Schnecken warm sind, werden sie aprikotiert und abgeglänzt. In der Konditorei verwendet man hierfür Aprikosenkonfitüre, für den zweiten Arbeitsschritt verwendet der Profi Fondant. Dessen Herstellung und Verarbeitung ist allerdings etwas kompliziert, deshalb tut es auch eine Zuckerglasur, die hergestellt wird, indem man 200 g Puderzucker mit 30 g Wasser glattrührt



Aber zuerst das Aprikotieren: die helle Konfitüre wird mit etwas Wasser aufgekocht und sofort auf die Gebäckoberfläche gepinselt, sodass diese schön glänzt. {Ich habe Mirabellenkonfitüre genommen.}
Ist die Aprikotur etwas angezogen, das heißt, abgekühlt und nicht mehr flüssig, wird die Zuckerglasur - ebenfalls mit dem Pinsel - aufgetragen. 

Und das war's. Fertig sind die weltbesten Mohnschnecken, wie ich finde. Und nächstes Mal gibt's Zimtschnecken. Oder Puddingschnecken. Oder Nussschnecken. Oder Apfelschnecken. 

♥sabrina




6 Kommentare :

  1. Herzlichen Glückwunsch - zu Wohnung, Gesellenbrief und natürlich auch zu den Schnecken! ;)

    <3-lichst,

    Kristina

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  2. In dem Guss Deiner Schnecken kann man sich förmlich spiegeln! Die sehen wahnsinnig appetitlich aus.

    Herzlichen Doppel-Glückwunsch zu Prüfung & Wohnung! Mit diesen Abzock-wohnungsanzeigen hatten wir 2011 bei unserem Umzug auch zu tun. Glücklicherweise erkennt man sie recht schnell, aber doof isses schon, sich damit rumärgern zu müssen.

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    1. Dankeschön, Persis - für das Kompliment zu meinen Schnecken und für den Doppelglückwunsch! ;)

      ♥sabrina

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  3. Schöne Mohnschnecken gefallen mir und willkommen in München.

    Grüße aus dem Westen

    Martin

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Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mir ein paar Zeilen zu hinterlassen. Sobald das Gebäck der Stunde im Backofen und der Timer gestellt ist, werde ich deinen Kommentar lesen und freischalten!