Rezept // Marmor-Glück in S und XS


Köche und Konditorinnen stehen ja in dem Ruf, ein angespanntes Verhältnis zueinander zu hegen. 
Das liegt vermutlich daran, dass wir häufig dieselben Dinge tun, dabei jedoch eine völlig verschiedene Herangehensweise an den Tag legen. 
Zufälligerweise ist mein Bruder Koch - mit eigenem Restaurant - und ja, auch wir beide hegen hin und wieder ein etwas angespanntes Verhältnis zueinander (obwohl das vermutlich nur bedingt mit unseren Berufen zu tun hat). 




Lasst mich diese Geschichte mit einem Schwank in meine Kindheit beginnen: Schon seit ich aufrecht sitzen konnte, habe ich meiner Mutter beim Backen und Kochen über die Schulter geschaut. Meine ersten eigenen Küchenabenteuer resultierten in Spätzle-Teig und Marmorkuchen. 
Ein Marmorkuchen, der - so erzählte man sich in meiner Familie - so zart und fein war, dass man meinen könnte, eine Reinkarnation meiner Oma (nicht die mit dem Birnenkuchen, sondern die andere, die ich nur noch aus früher Kindheit in Erinnerung habe) habe ihn gebacken. Schon früh wurde mir eine erfolgreiche Karriere als Konditorin prophezeit. 

Und hier ist nun das Dilemma: seit ich tatsächlich Konditorin bin, schmeckt der Marmorkuchen meines Bruders plötzlich besser. Feiner. Aromatischer. Luftig. Locker. Besser. 
Und das bei gleichem Rezept. 
Gut, man könnte argumentieren, dass er die Vorzüge eines professionellen Konvektomaten in seiner kleinen, aber feinen Profi-Küche genießen kann, während ich immer noch mit dem "normalen" Backofen in der Privatküche vorlieb nehmen muss. Aber wenn ich im Geschäft Marmorkuchen backe, schmecken sie auch super-fein. 
Kurzum, ich kann es einfach nicht auf mir sitzen lassen, dass ein Koch besser backen kann als ich (vor allem, wenn es sich um so etwas vergleichsweise einfaches wie Rührkuchen dreht!). Deshalb habe ich einen neuen Versuch gewagt - und weil Süßes im Kleinformat noch süßer ist, hab ich Marmorkuchen Größe S und XS gemacht. 





Ich habe eine Gleichschwermasse angeschlagen:

Mini-Marmor in S und XS 


250 g Butter
250 g Zucker
5 Eier 
250 g Mehl 
3 TL Backpulver
50 g Kakao
100 ml Milch
einen riesengroßen Schuss Rum 

Butter und Zucker habe ich in der Küchenmaschine mit dem Flachrührer mehrere Minuten lang cremig bis schaumig gerührt. Dann habe ich die Eier zugegeben (ich hab sie vorher leicht verquirlt und dann schlückchenweiße zugegeben, sodass die Buttermasse genug Zeit hat, die Flüssigkeit aufzunehmen). Zum Schluss habe ich Mehl und Backpulver darübergesiebt und kurz untergerührt (dann fiel mir der Rum ein und ich hab diesen auch noch zugefügt). 
Ein Drittel der Masse habe ich umgefüllt, zu den restlichen zwei Dritteln habe ich Kakao und Milch, sowie nochmal einen guten Schuss Rum zugegeben. Zuerst habe ich die dunkle, später die helle Masse in einen Spritzbeutel mit 9er-Lochtülle gefüllt und die Masse in die Förmchen dressiert. 





Zwei bis drei Kringel dunkle Masse, je ein Kringel helle Masse, dann mit einer kleinen Gabel bzw. einem Zahnstocher marmoriert und bei 180°C gut 15-20 Minuten gebacken. {Das Rezept ergab 13 etwa muffin-große Marmorkuchen, sowie 18 Mini-Marmorküchlein. Den Rest der Masse habe ich in sternförmige Mini-Muffinförmchen gefüllt (etwa nochmal 12), nächstes Mal werde ich also wohl nur 200 g Butter, Zucker und Mehl nehmen. Muffin-Förmchen eignen sich übrigens genauso gut. Und wenn's mal größer sein soll: für einen Kuchen Größe M dürfte die Masse auch reichen.}
Nach dem Backen und Auskühlen habe ich die Küchlein noch mit weißer Fettglasur überzogen. Dafür habe ich 400 g weiße Kuvertüre geschmolzen und mit ca. 30 g flüssiger Butter und einem guten Schuss neutralem Speiseöl verrührt (dadurch habe ich mir das Temperieren der Kuvertüre erspart) und diese Masse mithilfe eines Löffels über die auf einem Gitter stehenden Küchlein gegossen. Überschüssige Glasur habe ich mit einem Teller unter dem Gitter aufgefangen und erneut verwendet. 




Und was soll ich sagen...
Diese kleinen Leckereien sehen nicht nur unglaublich verführerisch aus, sondern schmecken auch noch genau so, wie ich es mir erträumt hatte: locker, saftig, aromatisch, fein. Sieht ganz so aus, als hätte ich die Backkünste meines Bruders eindeutig abgehängt. :P 



2 Kommentare :

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