Macaron entmystifiziert

Was ist klein, bunt, knusprig und von mehr Sagen umwoben als Siegfrieds Drache? 


Das wäre wohl das Macaron. 

Dieses kleine, süße Mandelgebäck, dessen Geschichte Jahrhunderte zurückgeht und das in den letzten Jahren - vor allem dank des Internets - eine wahre Renaissance erfahren hat. 
Darüber, wie man französische Macarons am besten herstellt, kursieren (vor allem in besagtem Internet) viele Gerüchte. Manche Blogger haben schon eine regelrechte Wissenschaft daraus gemacht, die perfekte Rezeptur zu finden und ziehen Luftfeuchtigkeit, etwaige Abweichungen der tatsächlichen von der eingestellten Backtemperatur je nach Hersteller des jeweiligen Backofens und Zeitpunkt des Eiertrennens in ihre Überlegungen mit ein. 
Das alles kann für den ambitionierten Hobby-Bäcker in der heimischen Küche etwas abschreckend wirken. Ging mir auch so. Trotzdem versuchte ich es. Wenn die halbe Mummy-Blogger-Welt Macarons herstellen konnte, sollte es doch für eine Bald-Konditorin kein Problem sein. 

Ich trennte die Eier zwei Tage vorher und ließ dann das Eiweiß im Kühlschrank "reifen". Ich siebte die Mandeln genau drei Mal. Ich besorgte Puderzucker für den ersten und extra-feinen Kristallzucker für den zweiten Arbeitsschritt. Ich überprüfte die Temperatur meines Backofens und kontrollierte alle paar Minuten wie eine Geisteskranke die Wetterstation. Meine Nachbarn müssen mich jetzt für eine Tiefdruck-Phobie-Leidende halten. 

Am Ende des (ersten, zweiten... achthunderttausendsten...) Tages sahen meine Macarons trotzdem so aus: 



Ich war nicht nur drauf und dran, den Glauben an meine Fähigkeiten, sondern auch noch den Verstand zu verlieren. War es möglich, dass ein Gebäck, das aus drei oder vier Zutaten bestand, so oft so dermaßen schief gehen konnte? Und das Wetter! Hallo? Ich kann doch nichts backen, was vom Wetter abhängt! Denn wenn ich Lust habe, Macarons zu machen, dann will ich Macarons machen und kann nicht warten, bis zufällig gerade mal ein Hochdruckgebiet vorbeikommt, damit die Luftfeuchtigkeit draußen stimmt... 

Also herrschte eine Weile selbstauferlegtes Macaron-Bewunder- und Back-Verbot. 

Bis ich Bernd Sieferts Tortenbuch "Sweet Gold 1" in die Hände bekam, in dem der Weltmeister unter anderem auch sein Macaron-Rezept verrät. Ich stellte fest, dass der Grand-Pâtissier es einfach hält: Eiweiß mit Zucker und Speisestärke steif schlagen, Mandeln und Restzucker unterheben, aufdressieren, backen, füllen, fertig. 
Kein Wort über Wetterlage, Jahreszeit, Ruhezeit für Eier oder bereits aufdressierte Macarons vor dem Backen. Nicht einmal zwei verschiedene Zuckerarten werden verwendet. 

In mir keimte ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer. Ich probierte es aus und mixte gleich noch ein paar eigene Zutaten dazu (frei nach dem Motto: "Wird eh schief gehen, aber dann hat es sich wenigstens so richtig gelohnt, wenn ich mich deswegen ärgern muss!"). Und schnappte beinahe hinüber, als ich feststellte, dass die Schalen bereits nach wenigen Minuten im Ofen eine glatte Oberfläche bekamen, gleichmäßig aufgingen und ihr charakteristisches "Füßchen" entwickelten. Da ich nicht damit gerechnet hatte, überhaupt eine Füllung zu benötigen, improvisierte ich eine Champagner-Schoko-Creme und voilà: 



Ich schätze, dank den knappen (aber durchaus ausreichenden) Angaben in "Sweet Gold" hatte ich das Macaron demystifiziert. 
Diese Geschichte habe ich niedergeschrieben, um allen verzweifelten Macaron-Bäckern die Sicherheit zu geben, dass Wetter und Wartezeit überhaupt keine Rolle spielen. Und, weil ich passenderweise gerade ein neues Blech grüner Macaron-Schalen im Backofen habe, das gleich fertig sein wird. 

Wie ich meine Lieblings-Macarons kreiere, verrate ich euch ein anderes Mal... 






4 Kommentare :

  1. Sie sehen ja wirklich mal perfekt aus! Ich habe mich an Macarons auch noch nicht herangetraut. Aber nicht, weil ich vielleicht scheitern könnte, sondern weil ich mir in einer Patisserie in Frankfurt mal welche gekauft habe und sie schlicht nicht lecker fand! Und was mir nicht schmeckt, brauch ich nicht backen, so einfach ist das. Ich finde es übrigens sehr sympathisch, dass du dich nicht scheust, auch misslungene Backversuche zu zeigen. ;) (Übrigens wäre ich wie du auch sofort verzweifelt und hätte gleich geglaubt, ich könne NICHTS. :D)

    Liebe Grüße
    Rebecca von bambi backt

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    1. Wenn du diese Schokomacarons probierst, wirst du anders denken! Die sind einfach lecker und Schokolade pur! :)
      Auch wenn sie nicht so perfekt aussehen wie die von zimtzauber und zuckernebel.

      http://kleinundzuckersuess.blogspot.de/2013/05/schokoladenmacarons.html?m=1

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  2. sehr gut, in mir keimt Hoffnung auf!!!!! den ersten versuch hab ich zu locker genommen... a la: wird schon hinhaun *g* Bäh, voll in die hose gegangen. die dinger sind ausgelaufen von NY bis nach Paris so groß waren die Dinger o.o 2. Versuch wurde schon besser, aber die Teigmischung war eindeutig zu hart und die macarons einfach nicht perfekt. Dank dir werde ich sie nochmal probieren! schließlich habe ich ja auch schon diese Matte zuhause. Bist du vielleicht so lieb und stellst das Wunder rezept von Bernd Sieferts Tortenbuch rein???? ich wäre dir sehr dankbar!
    Und dein Blog gefällt mir auch sehr gut!!! Hast eine neue Stalkerin :D
    lg Manu

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  3. Haha, misslungene Backversuche ist das Stichwort! Ich hab geschlagene 15 Jahre (und eine professionelle Konditor-Ausbildung) gebraucht, bis ich eine ordentliche Butterkrem hingekriegt hab! Und das alles nur, weil ich beim Aufschlagen der Butter zu ungeduldig war und zu früh aufgehört hab! (Davon gibt's allerdings keine "Beweisfotos", da war ich immer zu deprimiert, um sowas zu fotografieren.)
    Meine ersten Macarons haben mir übrigens auch nicht geschmeckt (also die ersten, die ich gegessen hab) - viel zu süß. Aber inzwischen mag ich sie ganz gerne, allerdings kommt es sehr auf die Geschmacksrichtung und vor allem auch auf die Füllung an. Mein Favorit ist Champagner-Creme.

    ♥sabrina

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Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mir ein paar Zeilen zu hinterlassen. Sobald das Gebäck der Stunde im Backofen und der Timer gestellt ist, werde ich deinen Kommentar lesen und freischalten!